17.03.2026, 12:02 Uhr
Die Verbuschung von Wiesen und Weiden gilt als eine der größten Bedrohungen artenreicher Graslandlebensräume. Eine Bachelorarbeit in Zusammenarbeit mit dem BUND Köln untersuchte, wie sich die Verbuschung des Besenginsters auf die Pflanzenvielfalt der Dellbrücker Heide auswirkt. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass diese Strauchart möglicherweise erst bei höheren Deckungsgraden zu Verdrängungseffekten und Abnahmen der pflanzlichen Artenvielfalt führt.
Die zunehmende Ausbreitung von Sträuchern und jungen Bäumen in ehemals offen gehaltenen Wiesen und Weiden – häufig als Verbuschung bezeichnet – ist ein weltweit beobachtetes Phänomen. Verbuschungsprozesse entstehen häufig durch das Ausbleiben traditioneller Nutzungsformen (z.B. die Sensenmahd), die über Jahrhunderte zur Offenhaltung von Graslandökosystemen beigetragen haben und in manchen Ausprägungen hochdiverse Ökosysteme wie beispielsweise Magerrasen erschufen.Die Verbuschung – insbesondere wenn Gehölze bereits einen Großteil vormalig offener Ökosysteme einnehmen - wird dabei häufig mit erheblichen Verlusten der pflanzlichen Artenvielfalt in Verbindung gebracht, da typische Wiesen- und Weidenkräuter von den Gehölzen verdrängt werden, wenn Mahd oder Beweidung ausbleibt. Gleichzeitig ist bekannt, dass moderate Verbuschung nicht zwangsläufig negativ wirken muss. Wenn 19 bis 42 Prozent einer Wiese oder Weide von Gehölzen eingenommen wird, kann die Artenzahl sogar höher liegen als auf vollständig offenen Flächen. Dies wird damit erklärt, dass Sträucher zusätzliche Lebensraumstrukturen und Standortbedingungen schaffen. Dadurch können neben sonnenliebenden Offenlandarten auch Arten vorkommen, die etwas mehr Beschattung tolerieren. Erst wenn die Gehölze dann einen höheren Anteil der Fläche dominieren, werden die Standortbedingungen wieder einheitlicher und die Artanzahl nimmt - zulasten der Wiesen- und Weidenkräuter - wieder ab. Entscheidend ist dabei jedoch, welche Strauchart die Verbuschung prägt. Neuere Studien zeigen, dass Veränderungen der Artenvielfalt stark von der jeweiligen Gehölzart abhängen.
Eine besondere Rolle spielen Gehölze mit stickstofffixierenden Eigenschaften. Pflanzen mit diesen Eigenschaften – zu denen auch bekannte Arten wie Erbsen, Bohnen oder Luzerne gehören – gehen eine Verbindung mit bestimmten Bakterien an ihren Wurzeln ein. Mithilfe dieser Bakterien können sie Stickstoff aus der Luft binden. Auf diese Weise kann zusätzlicher Stickstoff in den Boden gelangen. In der Landwirtschaft wird dieser Effekt gezielt genutzt, etwa beim Anbau von Zwischenfrüchten wie Klee oder Luzerne, um die Bodenfruchtbarkeit zu erhöhen. Da viele artenreiche Wiesen- und Weiden von Natur aus nährstoffarm sind, kann ein solcher zusätzlicher Stickstoffeintrag die Standortbedingungen verändern. Schnell wachsende Arten können dadurch begünstigt werden, während spezialisierte Wiesen- und Weidenarten zurückgehen. Vor diesem Hintergrund wird die Verbuschung durch stickstofffixierende Gehölze in einigen Studien mit direkten Abnahmen der pflanzlichen Artenzahl in Verbindung gebracht, ohne dass zuvor eine anfängliche Zunahme der Arten beobachtet wird.
Im Rahmen der Erhebungen zeigte sich jedoch ein gegensätzliches Bild: Selbst auf Flächen, auf denen der Besenginster mehr als die Hälfte der Vegetationsdecke einnahm, konnte keine Verringerung der pflanzlichen Artenzahl festgestellt werden. Stattdessen nahm die Artenzahl mit zunehmender Verbuschung zu, ohne dass dieser Befund im Rahmen der Arbeit eindeutig erklärt werden konnte. Diese Ergebnisse könnten darauf hindeuten, dass die Verbuschung durch Besenginster im Vergleich zu anderen Straucharten erst bei höheren Ausmaßen zu Verdrängungseffekten der pflanzlichen Artanzahl führt. Denn in anderen Studien brach die Artanzahl bereits ein, bevor ein Großteil der Flächen von Sträuchern oder jungen Gehölzen bedeckt war. Eine mögliche Erklärung dafür könnte in der besonderen Gestalt und Lebensweise des Besenginsters liegen: Der Besenginster besitzt nur kleine, schmale Blätter die früh im Jahr abgeworfen werden und ein Großteil der Photosynthese erfolgt dabei über die grünen Zweige und den Stamm. Dadurch könnte die Beschattung des Bodens möglicherweise geringer ausfallen als bei dichter belaubten Gehölzen.
Gleichzeitig erlaubt die vorliegende Untersuchung keine abschließende Bewertung der langfristigen Auswirkungen. In der Arbeit wurden nämlich keine dichten Ginstergebüsche oder Flächen betrachtet, die deutlich über 60 % vom Besenginster bedeckt waren. Ab welchem Verbuschungsgrad Wiesen- und Weidenkräuter tatsächlich durch den Ginster verdrängt werden können, bleibt daher offen. Insgesamt deutet die Untersuchung darauf hin, dass Verbuschungsauswirkungen nicht pauschal bewertet werden sollten und stark von der jeweiligen Strauchart abhängen. Im Fall des Besenginsters könnten Verdrängungseffekte später einsetzen. Für die Pflege artenreicher Graslandflächen wie der Dellbrücker Heide könnte dies bedeuten, dass Entbuschungsmaßnahmen auf Flächen mit Zitterpappel und insbesondere der invasiven Späten Traubenkirsche im Sinne der Artenvielfalt Vorrang haben sollten.